Medical Pluralism – Asian and European Naturopathic Medicine in Exchange

Der Kongress auf einen Blick

Naturheilverfahren erfreuen sich weltweiten eines hohen Zuspruchs – vor allem auch von Seiten der Patienten. Das gilt für Europa, China und vor allem auch Indien. Zahlreiche Verfahren gehören bereits zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO, was die Bedeutung unterstreicht.

Medizinische Traditionen und zeitgenössische Wissenschaft zu neuen Therapieansätzen zusammenzubringen, ist eine Herausforderung der Zeit. Vietnam nimmt dabei eine zunehmend spannende Rolle ein, denn in diesem Land vermischen sich die verschiedensten medizinischen Ansätze: von europäischer Schulmedizin bis zu chinesischer und indischer traditioneller Heilkunst. In Vietnam hat sich aus den traditionellen Heilpraktiken eine Naturheilkunde entwickelt, die auf den Säulen Akupunktur, Ernährungsmedizin und Kräuterheilkunde ruht.

Der Kongress hatte das Ziel, diese vielfältigen Medizinformen kennenzulernen und einen internationalen Austausch von Ärzten und Apothekern zu ermöglichen. Außerdem sollte er dazu beitragen, den Prozess der Adaptation der traditionellen Methoden an wissenschaftliche Erfordernisse voranzubringen.

Möglich war ein solcher Kongress nur, weil Dr. Detlef Briesen, Privatdozent am Historischen Institut der Universität Gießen, bereits seit vielen Jahren Kontakte zu wichtigen Funktionsträgern der traditionellen Medizin in Vietnam aufgebaut hat. Ohne seine profunden Kenntnisse vor Ort und eine gute Vernetzung wäre ein solcher Austausch nicht möglich gewesen.

Der Weg zum Ziel

Vielleicht war es gerade der Besuch in Vietnam, der es uns verdeutlicht hat, dass wir nicht das trennende in den einzelnen Verfahren sehen müssen, sondern dass wir das Augenmerk auf das starke Fundament der Philosophie der Naturheilkunde lenken müssen.

Frau Prof. Karin Kraft (siehe Video), die ebenfalls bei diesem Kongress zugegen war, formuliert das auf ihrer Homepage so: Es geht um eine Medizin ..“die uns die individuellen körpereigenen Ordnungs- und Heilkräfte durch Anwendung nebenwirkungsarmer oder -freier natürlicher Mittel anregen.“

Dies wurde der deutschen Delegation in Hanoi dann sehr bewusst, als man sich mit den unterschiedlichen Einflüssen auf die Medizinentwicklung in Vietnam auseinandersetzte. Grundlage für diese Auseinandersetzung ist die „WHO world traditional medicine strategy 2014-2023“ , die hier vollständig eingesehen werden kann.http://www.who.int/medicines/publications/traditional/trm_strategy14_23/en/

Vom Internationalen Austausch zur Kooperation

An der Universität für Medizin und Pharmazie in Thai Nguyen war dann das Thema Prävention und die Einbindung der Naturheilkunde im Fokus der aus Europa angereisten Referenten. Die Mikrobiologische Therapie, war trotz der Bekanntheit der Forschungen zum Mikrobiom, für die Teilnehmer aus Asien nahezu unbekannt. Umso größer war das Interesse an den Vorträgen zu den Behandlungsmöglichkeiten mit Darmbakterien in der Prävention bei Erkrankungen des Metabolischen Syndroms, dass in der großstädtischen Bevölkerung in Vietnam zunehmend zum Problem wird.

Der Einsatz von Naturheilverfahren in der Klinik mit eine m besonderen Augenmerk auf die unterschiedlichen Verfahren wie Akupunktur und Phytotherapie waren die zweite große Einheit. Interessant hierbei die Bemühungen um eine Standardisierung der Pflanzen und der Aufbau von Qualitätsnormen.  (vgl. Interview Michael Schreiber)

Dieses Thema wurde sehr anschaulich in der größten Pflanzenzuchtanstalt des Landes. Hier waren Kallus-Kulturen (Vermehrung der Pflanzen aus Wurzelspitzenzellen) von zahlreichen Heilpflanzen zu sehen. Von dieser Zuchtstation aus werden Anbauer und z.T. die Krankenhäuser direkt beliefert. Damit wird gewährleistet das genau der Typus einer Art angebaut und später als Heilpflanze verarbeitet wird, von dem die entsprechende Wirkung nachgewiesen ist. Derartige Fragen zur Anbauqualität und Artspezifität werden z.T. auch bei uns heute noch geführt.

Der dritte Themenkomplex beschäftigte sich mit der Ausbildung und der Einbeziehung der Naturheilverfahren in den universitären Alltag. Dabei waren durchaus starke Parallelen zu unserem Diskussionsstand erkennbar. (Vgl. Interview Prof. Kraft)

Festzuhalten bleibt, dass die Naturheilkunde für viele Länder Asiens ein fester Bestandteil der Medizin ist und für 100te Millionen Menschen eine Chance bietet kostengünstig medizinisch versorgt zu werden.

Wir müssen Qualitätsstandards und Anforderungen an die Evidenz mit sehr viel Augenmaß definieren. Dies im Bewusstsein, dass wir mit unserer Entwicklung in Europa partnerschaftlich zu einer Entwicklung beitragen können, die im Sinne der zitierten WHO-Guideline einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsentwicklung großer Teile der Erdbevölkerung beiträgt.

Wie wichtig der Erhalt der Naturheilverfahren ist, wurde an Ende von einem philippinischen Delegationsverterter betont, der aufzeigte, dass die ausschließlich Konzentration auf die „westliche Medizin“ zu einem Ausschluss von weiten Bevölkerungsteilen an der medizinischen Versorgung der Philippinen führte.

Für die Mitglieder des Arbeitskreis für Mikrobiologische Therapie, der medizinische Enzymforschungsgesellschaft und dem Zentralverband der Ärzte für Naturheilkunde hat sich dieser Kongress besonders ausgezahlt. In einem feierlichen Akt wurden mit den Organisationen und der Universität Thai Ngyuen ein Kooperationsvertrag geschlossen. Für Kooperationspartner der Organisation und Firmen im Bereich der Naturheilkunde können entsprechende Kontakte nach Vietnam vermittelt werden. Gerne übernimmt der AMT hier die Koordination – bei Interesse schreiben Sie uns eine Mail.

Sie wollen wissen, wie die TeilnehmerInnen den Kongress vor Ort wahrgenommen haben? Wir haben Sie interviewt und sie genau das gefragt. Alle Videos finden Sie in der Mediathek im Bereich “AMT-Reporter“. Außerdem gibt es auf unserem Youtube-Channel eine ganze Playlist mit allen Videos aus Vietnam.

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